HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät:

 

DER GENERALPLAN OST:
EIN FINSTERES KAPITEL BERLINER WISSENSCHAFTSGESCHICHTE

WORKING PAPER NR. 38/1997 (Ansicht hier)
von Matthias Burchard
Berlin, Juni 1997


Inhalt

Vorwort

Einleitung

1. Inhalt

1.1 Kerninhalt
1.2 Konkurrierende Planungsabteilungen und kurzfristige Kriegsernährungsziele
1.3 Geopolitische Vorstellungen und Verwendung des "Produktionsfaktors Boden"
1.4 Die "Volkstumfrage" und Verwendung des "Produktionsfaktors Arbeit"
1.4.1 Aufstieg der "deutschen" Menschen
1.4.2 Behandlung der "Fremdvölkischen"
1.5 Kosten und Finanzierung
1.6 Die praktische Bedeutung des Generalplan 0st

2. Autoren und spezifsche Mentalitäten

2.1 Das Planungsamt der SS und seine Mitarbeiter
2.2 Das Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik und seine Mitarbeiter
2.3 Technikbegeisterung und Modernität
2.4 Die bürgerliche Jugendbewegung
2.5 Naturschutz und Pantheismus

3. Erweiterte Vorgeschichte zum Generalplan 0st

3.1 19. Jahrhundert: Agrarromantik, Antiurbanismus und der Siedlungsgedanke
3.2 "Professorendenkschrift" und Max Serings Denkschrift von 1915
3.3 Zeit der Weimarer Republik

4. Zusammenfassung und Folgerungen

Literatur

Anhang: Einige Übersichten und Dokumente (nur teilweise)

Übersicht 1.
Verzeichnis der Abkürzungen
Übersicht 2.
Kernaussagen der verschiedenen Versionen des Generalplan 0st
Übersicht 3.
Staatsgrenzen Deutschlands im März 1918 sowie Kriegs- und Siedlungsplanung 1941/42
Übersicht 4.
Das erweiterte deutsche Reichsgebiet nach dem "Generalsiedlungsplan" 1943
Übersicht 5.
Beispiel eines Schriftverkehrs zum Generalplan 0st
Übersicht 6.
Wichtige Institutionen der Ostsiedlungsplanung (etwa 1942)
Übersicht 7.
Vermerk: Vorgang: Landbedarf für die notwendige Aussiedlung aus dem Altreich
Übersicht 8.
Auszüge aus Dokumenten zur Kriegsernährungsplanung 1941 und völkisch- "naturnaher" Landschaftsplanung 1942


Impressum:

Herausgeber:
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fachgebiete der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin

Editors:
Economic and Social Science Disciplines of the Agricultural and Horticultural Faculty of the Humboldt-University at Berlin

Editeurs:
Sciences economiques et scienes sociales de la Faculte d'agriculture et d'horticulture, Universite Humboldt a Berlin

Redaktion:
Prof. Friedhelm Streiffeler

Managing Editor:
Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus

Redaction:
der Humboldt-Universität zu Berlin Fachgebiet Agrarsoziologie Luisenstraße 53,D - 10099 Berlin

Der Autor:
Dipl.Ing. agr. Matthias Burchard Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus Luisenstraße 56, 10099 Berlin, Fax: 2093-6508


ANHANG: EINIGE ÜBERSICHTEN UND DOKUMENTE

Übersicht 1: Verzeichnis der Abkürzungen

AA Allgemeine Anordnung des RKF (PA)
AWI Arbeitswirtschaftliches Institut der Deutschen Arbeitsfront
FD "Der Forschungsdienst", Zeitschrift
GPO Generalplan 0st
LN Landwirtschaftliche Nutzfläche
PA Planungsamt des RKF
RFSS Reichsführer der Schutzstaffel
RKF Reichskommissariat, (-kommissar) für die Festigung deutschen Volkstums
RM Reichsmark
RMf.d.b.0 Reichsministerium für die besetzen Ostgebiete
RSHA Reichssicherheitshauptamt
RuR "Raumforschung und Raumordnung" Monatsschrift
SD Sicherheitsdienst des RSHA
SS Schutzstaffel
ZBA Zentalbodenamt

Übersicht 2: Kernaussagen der verschiedenen Versionen des Generalplan Ost:
a. geographisch-politischer Siedlungsanspruch, LN
 


Vorwort

Mit der Pensionierung von Prof. Volker Klemm und Dr. Reinhard Deutsch und nach dem mißlungenen Versuch der Fortführung des Fachgebiets Agrargeschichte an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät an der Humboldt-Universität zu Berlin besteht die Gefahr, daß eine wichtige Epoche Berliner Wissenschaftstradition unreflektiert bleibt. Es geht um die Periode vor und während des 2. Weltkrieges.

Das umfangreiche Material aus der Forschungslandschaft der Nationalsozialisten, das in Kellern von Berliner Villen lagert, scheint im Zuge der neuerlichen Flurbereinigung in den WISOLA in Berlin unbrauchbar bzw. unauffindbar zu werden. Und ich habe meine Zweifel, ob das Bedauern über das Verschwinden solch leidlich deutschen Kulturguts überhaupt als bemerkenswert erachtet wird. Eine Hypothek verschwindet, aber auch eine wichtige Erkenntnismöglichkeit.

Die fatale Technokratie, die vordergründige Ideologie und erschreckend kleinbürgerliches Bewußtsein charakterisieren eine agrarpolitische Forschergeneration der Nazizeit, von der zwar kaum noch jemand am Leben ist, deren Denk-Tradition aber latent und virulent noch vorhanden sein dürfte. Ein verschämtes Erodierenlassen, ein beleidigtes Ausgrenzen oder aufgebrachtes Abgrenzen können ein funktionierendes Gewissen aber nicht erleichtern.

Volker Klemm hat zwei Berliner Agrarstudenten dazu bringen können, über das unpopuläre, ja unverzeihliche Thema der Agrarpolitik des Dritten Reichs Diplomarbeiten anzufertigen. Regina Wenk und Matthias Burchard

haben nicht nur bemerkenswert gründliche Arbeiten vorgelegt, sondern darüber hinaus auch für eine breitere Öffentlichkeit ihrer Ergebnisse gesorgt.

Und Heinrich Becker, der für kurze Zeit an der TU Berlin arbeitete, wirkte ebenfalls im Berliner agrarökonomischen Umkreis so befruchtend, daß eine Basis zur Weiterarbeit wohl gelegt ist.

Ich vermute, daß es lohnt, die mentalitätsgeschichtliche Einbettung des nationalsozialistischen Gedankenguts zur Agrarfrage viel ernster zu nehmen und vertieft anzugehen. Unsere globalen Bedingungen machen es leicht, das Volk ohne Raum, das volle Boot, die Überbevölkerung als Apokalypse zu sehen und kurzschlüssige Konsequenzen ziehen zu wollen. Die Einsichten mehren sich, daß im 19. Jahrhundert wesentliches zur deutschen Tragödie des 20. Jahrhunderts vorgedacht und Bildungsgut geworden ist. Wer weiß schon, wie weit das reicht?

Matthias Burchard gebührt die Achtung, unter schwierigen persönlichen Bedingungen einen Beitrag vorgelegt zu haben, den unser transformationstrunkenes Bewußtsein nicht ohne weiteres übergehen kann; denn - wie Bazon Brock uns sagte - kein Faschist kann eigentlich nur derjenige sein, der sich zugesteht, auch einer sein zu können. Vorsicht also bei den Osterweiterungen, die Marktdurchdringung ist schon schlimm genug.

Günter Lorenzl


Der Generalplan Ost. Working Paper des IWISOLA der HUB Nr. 38, M. Burchard Berlin 1997

Einleitung

In den letzten zehn Jahren und besonders sowie anläßlich des 50. Jahrestages des Überfalls auf die Sowjetunion 1991 erbrachten Zeitgeschichtler und Landschaftsplaner, ja selbst Architekten zahlreiche Detailstudien und Tagungen zum Themenkomplex der deutschen Besatzung und der Raumplanung für Osteuropa (Gröning; Wolschke-Bulmahn 1987; Schneider 1991; Schleiermacher 1993). Ceslaw Madajczyk gab 1994 nach dreißig Jahren Forschung eine Zusammenstellung von 145 Dokumenten und Anlagen zum Generalplan 0st in deutsch heraus. Diese Unterlagen sind knapp zur Hälfte in Berlin-Dahlem entstanden bzw. diskutieren Dahlemer Planungsentwürfe. Bis auf eine Detailstudie aus Göttingen (Becker 1987) und dem erfolgreichen ersten Versuch einer Gesamtdarstellung der "Agrarwissenschaften im Dritten Reich" (Klemm 1994) zeichnet sich speziell die deutsche Agrarökonomie durch Abstinenz bei der Aufarbeitung dieser mörderischen Vorhaben aus.

Bekannt, weil zum großen Teil realisiert, ist der Ansatz zur "Endlösung der Judenfrage" in Europa (Tuchel 1992: 166). Die auf 20 bis 30 Jahre angelegten Ostsiedlungspläne dagegen wurden lange als persönliche Schimäre Himmlers oder als einmalige, rassistische, irrationale Utopie abgetan (Aly, Heim 1987: 7f und 1991: 10; Schleiermacher 1993: 11). Erst seit Eichholz (1982), Roth (1985 a) sowie Aly und Heim (1987, 1991) wurden die imperialistische Grundlinie sowie die tiefere systematische Funktion von Modernisierung und Rationalisierung der Sozial- und Wirtschaftsstrukturen und ihr Zusammenhang zum geplanten Massenmord wesentlich aufgehellt.

Die agrarwissenschaftliche Ostsiedlungsplanung in Berlin-Dahlem war einflußreich und galt als förderungswürdig: Die "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" stellte von 1941/42 bis 1944/45 510.000 Reichsmark zur Verfügung (Gröning 1987: 45). Mit vier Dahlemer Planungsentwürfen zwischen 1939 und (Frühjahr) 1943 setzten Dahlemer Agrarökonomen und Raumplaner neue Akzente.

Was ist der Generalplan Ost? Welches sind die Kerninhalte, wer die Autoren, die politischen und ideologischen Interessenlagen? Ist der Generalplan 0st nur die wissenschaflliche Umsetzung der Konsens-Forderung eines "Volks ohne Raum" nach "Lebensraum im Osten"? Schon 1915 forderten 1350 Intellektuelle in der sogenannten `Professorendenkschrift´ Siedlungsland von Rußland (Eichholtz 1982: 254). Eine Kompanie der Wehrmacht wählte 1941 an der Ostfront den griffigen Wahlspruch: "Der Russe muß sterben, damit wir leben." (Müller 1991: 10).

Nachfolgender Artikel ist der Versuch, einen ersten Überblick zu schaffen. Der vorgegebene Rahmen erlaubt nicht, die mentalitätsgeschichtliche Einbettung vorzunehmen. Vielmehr können nur einige Orientierungspunkte im zweiten und dritten Kapitel aufgezeigt werden, die den Leser kaum befriedigen werden. Die Notwendigkeit zur Weiterarbeit wird aber offensichtlich.

  1. Inhalt des Generalplan Ost

    1.1 Kerninhalt

    Der Generalplan 0st ist durch die Vielzahl seiner vorlaufenden, parallel erschienenen und weiterentwickelten Fassungen keine eindeutige Bezeichnung (Madajczyk 1989: 844). Zum Überblick der Kernaussagen der einzelnen Versionen des Generalplan 0st siehe Übersicht 2 im Anhang.

    Der Generalplan 0st beschreibt die mittelfristige nationalsozialistische Kriegszielpolitik und die Utopie einer rassischen "Neuordnung" Europas mit dem Ausgangspunkt der ländlichen Siedlung. (Müller 1991: 8, 50; Schleiermacher 1993: 7f.).

    Er war im Kern eine Kombination aus Deportations- und Neuaufbauplanung (Roth 1993: 27). Für die angeblich leistungsstarken nordisch-germanischen Menschen, speziell das "deutsche Volkstum" waren eine "biologische Mehrung" und sozialer Aufstieg vorgesehen (Institut 1942: 408, 437, 440). 30 bis 40 Millionen rassisch unerwünschte, "nichteindeutschungsfähige" Mittel- und Osteuropäer waren zum sozialen Abstieg in Form von Zwangsarbeit, Abschiebung in Hungerzonen oder direkter physischer Vernichtung wie im Fall von jüdischen Menschen bestimmt (Wetzel 1942: 300; Madajczyk 1994: Xlll). Das Ziel einer vollständigen "Eindeutschung" weiter Gebiete, mittelfristig einschließlich Leningrad und der Krim, langfristig bis zum Ural, machte eine militärpolitische Sicherung erforderlich (AWI 1941: 134; Himmler 1944). So entstand das Konzept einer ökologisch gesunden "Wehrlandschaft" mit "Wehrbauernhöfen". (Gröning 1987: 157 f.).

    Ein wirtschaftspolitisches Ziel war eine vollständige Autarkie Deutschlands besonders auf dem Ernährungssektor (Selbstversorgungsgrad Deutschlands 1939 bei 87%, bei Fetten 50%; Klemm 1992: 292; 1994: 7,16).

    Der einflußreichste Promotor der Ostsiedlung wurde der Diplomlandwirt Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, Chef der Deutschen Polizei und 1943 Reichsinnenminister, leidenschaftlicher Tier- und Naturschützer und seit Oktober 1939 Reichskommissar zur Festigung deutschen Volkstums (Wistrich 1983: 129; Rürup 1991 b: 98). Himmler unterstanden die drei wichtigsten Institutionen der Ostsiedlungsplanung, welche zugleich SS-Hauptämter waren:

    1. Der Sicherheitsdienst (SD) des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). Gleich mit Kriegsbeginn gegen Polen und die Sowjetunion gewann er mit der "vernichterischen Vorreiterfunktion seiner Einsatzgruppen" eine Vormachtstellung in der Praxis der "Entvölkerung" und Deportation unerwünschter Menschen (Roth 1993: 58).

    2. Das Reichskommissariat für die Festigung deutschen Volkstums (RKF) mit Hauptsitz in Berlin-Halensee und seinem Planungsamt in Dahlem. Als einflußreichste wissenschaftliche Institution für die Siedlungsplanung von 1940 bis zum Zusammenbruch der Planung im Frühjahr 1943 konnte sich das Planungsamt des RKF in enger Kooperation mit dem Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik der Berliner Universität durchsetzen (Müller 1991: 90 f.; Rössler 1990: 167). Ausgehend von der "Bereinigung" der Sozial- und Wirtschaftsstruktur im Altreich begründete es vor allem den konkreten wissenschaftlichen Siedlungsanspruch. Neben der Berechnung des "Siedlerbedarfs" kam später eine sehr dezidierte (Zwangs-)Arbeits- und Kostenkalkulation hinzu, ebenso die Grundzüge einer neuen Verwaltung, eines Siedlungsrechts und vor allem eine zeitliche Ablaufplanung (Meyer 1941 b, 1942 c).

    3. Das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA). Es entwarf erste umfangreiche Nachkriegsbauplanungen in einer Größenordnung von zuletzt 80 Mrd. RM, welche im Planungsamt des RKF überarbeitet wurden bei gleichzeitiger Übernahme des Prinzips der "Vernichtung durch Arbeit" (Roth 1993 b: 73 f.; Meyer 1942 d: 47).

       

    1.2 Konkurrierende Planungsabteilungen und kurzfristige Kriegsernährungsziele

    Die mit der Ostraumplanung befaßten konkurrierenden Institutionen waren zunächst sehr zahlreich. Hierbei sind u.a. zu nennen: das 1931 gegründete Rasse- und Siedlungshauptamt der SS, die Volksdeutsche Mittelstelle der SS, die Wehrmacht, H. Göring als Vertreter der Haupttreuhandstelle 0st, das Kaiser-Wilhelm-lnstitut für Anthropologie, Menschliche Erblehre und Eugenik, die Reichsgruppe Industrie, das Rassenpolitische Amt in der Reichsleitung der NSDAP, regionale Raumplanungsabteilungen, das Arbeitswissenschaftliche Institut der Deutschen Arbeitsfront, das Reichsministerium für Enährung und Landwirtschaft und das Ministerium für die besetzten Ostgebiete (Eichholtz 1993: 119; Müller 1991: 83 f.).

    Durch eine offensive Propaganda-Ausstellung "Planung und Aufbau im Osten" 1941, eine Verleumdungskampagne gegen den Leiter der Reichsstelle für Raumordnung und durch den überzeugenden Generalplan 0st 1942 der Berliner Universität gelang es Himmler, die zentrale Planungshoheit zu erlangen und den Chef des Planungsamtes des RKF, Prof. Meyer, auch vom Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, vom Ministerium für die besetzten Ostgebiete und vom Stabsamt des Reichsnährstandes als Siedlungsbeauftragten anerkennen zu lassen (Müller 1991: 94f.; 105; Madajczyk 1994: 83,84; 130 ff.).

    Der Aspekt der "Vernichtungsplanung" fand eine komplementäre Ergänzung in der kurzfristigen Kriegsernährungsplanung (Aly; Heim 1991 b: 100 f.) Die ernährungspolitische Ausgangslage war kurz vor dem Überfall auf die Sowjetunion im Frühjahr 1941 nach starker Auswinterung von Wintergetreide und erhöhtem Inlandsbedarf sehr kritisch (Aly, Heim 1991 b: 92 f). Um mögliche "Stimmungseinbrüche an der Heimatfront" wie während des Ersten Weltkrieges und weitere Rationsabsenkungen zu verhindern, entwarfen die verantwortlichen Kriegsstrategen eine radikale Hunger- und Ausplünderungspolitik, welche den viel-millionenfachen Hungertad besonders in den nördlichen russischen Industriezentren explizit vorsah (Wirtschaftsstab 0st 1941: 45; Heydrich 1941 b: 161; Rürup 1991 b: Texte 27, 28, 40, 41; 42; 43). Nach Abriegelung der nördlichen Waldzone sollten die Schwarzerde - Überschußgebiete der Ukraine konsequent für die Wehrmacht bzw. für die Versorgung Deutschlands als Ersatz für ausgefallene Überseeimporte genutzt werden (Rürup 1991 b: 45; Aly, Heim 1991 b: 91 f.) Der Hunger(tod) von etwa 30 Mio. sowjetischen Zivilisten wurde als "Kriegsreserve" und Maßnahme zur Ernährungssicherung angesehen (Aly, Heim 1991 b: 92, 98). Die kurzfristigen ernährungsstrategischen Vernichtungsziele für die zivile Bevölkerung Leningrads entsprachen exakt den langfristigen Struktur- und Raumplanungen des Generalplan 0st 1942, welche im Fall Leningrad die "Verringerung" von 3,2 Millionen Einwohnern auf 200.000 städtische deutsche Siedler innerhalb von 25 Jahren vorsehen (Institut 1942: 436; Aly, Heim 1991 b:101).

     

    1.3 Geopolitische Vorstellungen und Verwendung des "Produktionsfaktors Boden"

    In Kontinuität der unreflektierten Kriegszielforderungen des Ersten Weltkriegs bestand ein großer Grundkonsens für die Forderung nach "Lebensraum im Osten" (Müller 1991: 147, 208; Burchard 1993: 133-134). Der Schock des Kriegshungerwinters 1916/17 ("Steckrübenwinter") forderte klare Konsequenzen zur zukünftigen Krisen- und Blockadefestigkeit (Klemm 1994: 292; 1994: 16). Mit der Bildung des Reichsnährstandes als berufsständischer Einheitsorganisation und Etablierung des "Forschungsdienstes" 1935 als Zwangskörperschaft der gesamten Agrarwissenschaft setzte eine straffe, zentralgesteuerte "Forschung für Volk und Nahrungsfreiheit" ein (Der Forschungsdienst 1942: 3, 4; Becker 1987: 420).

    Nach dem erfolgreichen Krieg gegen Polen begann unter administrativer Abtrennung Zentralpolens als sogenanntes "Generalgouvernement" die sofortige Wiedereingliederung der früheren deutschen Ostprovinzen Posen und Danzig-Westpreußen (PA 1940 a: 1, 3, 6; Rose 1943: 147; Oberländer 1940: 128). Das grundsätzliche Ziel war die vollständige Germanisierung mit schuldenfreier Überführung des neuen Grund und Bodens in deutsche Hand (Institut 1942: 402, 407, 433; Mundt 1941: 411 f.; PA 1942 b: 196; RKF 1942 a: 202). Bis Mitte 1940 war der geographisch-territoriale Siedlungsanspruch noch relativ moderat mit Beschränkung auf die Revision der Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg. Auch im Entwurf der Widerstandsgruppe "Kreisauer Kreis" zur Neueinteilung der Länder war noch im Sommer 1943 die Integration des Warthelandes bis Lodz sowie die Süderweiterung Ostpreußens, die Übernahme von Lothringen, Elsaß, Luxemburg und Böhmen-Mähren als 20. deutsches Land vorgesehen (Stiftung 1985: 116). 1938 beschrieb Prof. Meyer die "Aufgabe der Gründung einiger tausend Dörfer" noch als innere Kolonisation: "Das nötige Land ist vorerst vorhanden, fangen wir nur erst einmal an (...), besonders in den Grenzlanden!" (Meyer 1938:16). Auf dem XVIII. Internat. Landwirtschaftskongress in Dresden 1939 wurde zur "Erweiterung der Nahrungsgrundlagen" noch eine Fläche von 20 Mio. ha in Deutschland als kulturtechnisch stark entwicklungsfähig eingeschätzt (Riecke 1939: 249). Bis Ende Dezember 1940, sicher auch unter dem Eindruck des zweiten beeindruckenden militärischen "Blitzsieges" gegen Frankreich fand ein Umbruch in Richtung exterritorialer "Kolonisation" statt. Der vordergründige Ausgangspunkt war die ineffiziente Wirtschafts- und Sozialstruktur speziell in den Realteilungsgebieten Deutschlands (Kann 1939). Zur Schaffung einer "gesunden Boden- und Besitzstruktur" wurde die Auflösung von 650.000 I

    ldw. Betrieben vorgeschlagen, zugleich aber die Neubildung von 480.000 leistungsfähigen Neusiedlerstellen á 25 ha gefordert (PA 1940 b: 25-28). Diese "Wunschbildplanung" führte nach einem 40-prozentige Zuschlag für Wald, Wehrmachtsvorhaben, Aufforstungen, Reserveland und sonstigen Flächen zu einem Landbedarf von 130.000 km2 (PA 1940 b: 18). "Selbst die neuen Westgebiete [Elsaß-Lothringen, d.Verf.] (...) noch das gesamte Generalgouvernement würden - rein rechnerisch betrachtet - nicht ausreichen." (PA 1940 b:, 27, 28). Damit war sieben Monate vor Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion "die Vernichtung der sowjetischen Herrschaft und die Einbeziehung weiterer östlicher Räume in den europäischen Lebensraum" zwecks Erlangung "voller Planungsfreiheit" eine raumplanerische und agrarwissenschaftliche Notwendigkeit (Meyer 1942 a: 50). Mit dem "Sieg unserer Waffen" schien die "Raumnot in Deutschland" überwunden einschließlich des Problems der Landflucht: Soziale Aufstiegs- und freie Entfaltungsmöglichkeiten auf dem Land schienen gewährleistet (Meyer 1942 b: 126,127).

    Die Größe einer leistungsfähigen bäuerlichen Familienwirtschaft, früher Ackernahrung, neugermanisch als "Hufe" bezeichnet, wuchs je nach Bodengüte und politisch-militärischer Lage von 20 bis 30 ha 1940 hin zu über 50 ha nach Kriegsausbruch gegen die Sowjetunion (PA 1940 a: 11, 12; Wasser 1993: 41; Morgen 1943: 80; Institut 1942: 437; PA 1942 c: 252). Die optimistische deutsche Angriffsplanung auf die Sowjetunion sah eine Eroberung der europäischen Gebiete Rußlands einschließlich Moskaus bis zur Linie Archangelsk-Astrachan innerhalb von zwei bis vier Monatne vor (Rürup 1991 b: 41). Das "Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete" hatte nach Einrichtung der Reichskommissariate "Ostland" und "Ukraine" bereits feste Personalvorschläge für die Leitung der einzurichtenden Reichskommissariate "Moskowien" und "Kaukasien" gemacht (Heiber 1958: 283; Rürup 1991 a: 80, 81).

    Der Siedlungsanspruch auf das Gebiet um Leningrad und die Krim war bereits durch Führerbefehl vorgegeben ebenso wie die Grundlinienführung der Südost-Autobahn Krakau - Krim zur Festlegung der verbindenden Siedlungsstükpunkte (Roth 1993: 61; Müller 1991: 171).

    Die beanspruchte Gesamtfläche des GPO 1942 war mit den drei großflächigen "Siedlungsmarken" (Krim-Chersongebiet, Raum Leningrad und Bialystok) und der infrastrukturellen Anbindung durch 36 Siedlungsstützpunkte a 2.000 km2 noch nicht genau berechnet. Nach einem Arbeitsvermerk für v. Schauroth vom April 1942 betrug sie 364.000 km2. Der sehr ausführliche Generalsiedlungsplan vom Dez. 1942 sah eine Erweiterung des vergrößerten Reichsgebietes um 330.000 km2 vor, während das Reichssicherheitshauptamt auf einer Tagung zu "Umvolkungsproblemen" einen Siedlungsanspruch von 700.000 km2 bei 350.000 km2 LN festschrieb (PA 1942 c: 252; Krumey 1942: 263). Wenn auch Himmler den Vorlagen grundsätzlich zustimmte, so forderte er doch zweimal das Planungsamt zur Beschleunigung der Germanisierung bzw. zur Erweiterung der Siedlungsgebiete durch Einbeziehung des gesamten Generalgouvernements und des Baltikums auf (Himmler 1942: 264; 1943: 270). Die realistisch-pragmatische Ablaufplanung des Planungsamtes des RKF mit sukzessiver West-Ost-Besiedlung führte zur Unterscheidung von "Siedlungszonen" erster und zweiter Ordnung (PA 1940 a: 7/8), im Generalplan 0st 1942 wird von "eingegliederten Ostgebieten", dann von "Marken und Stützpunkte" und später von "Ostsiedlungsraum" und "Volksraum" (Institut 1942: 435; PA 1942 c: 240) gesprochen. Für die "Marken und Stützpunkte" war ein Rate der "Eindeutschung" von 25 bis 50% vorgesehen, der Anteil der LN sollte 75% in der Ukraine und 20% der Fläche im Raum Leningrad betragen (Institut 1942: 436). Die angestrebte Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebsgrößen Ende 1942 war zum einen zukunftsorientiert großflächig: neben der "Hufe" mit 25-80 ha und der "Großhufe" mit 60-150 ha waren auch "Gutshöfe" a 125-500 ha vorgesehen: Andererseits war sie aber sehr flexibel und variabel mit kleineren Spezialbetrieben a 5-20 ha und Landzulagen für Handwerker und Landarbeiter mit 1-3 ha (PA 1942 c: 99, 109 in Schleiermacher 1993).

    Der Konsens einer bewußten, wehrhaften Beherrschung Mittel- und Osteuropas wurde deutlich durch die Übernahme militärischer Kontroll- und Sicherungsaufgaben: Schon 1940 wurde die Einrichtung von "Großhöfen" als "Wehrbauernhöfe" mit 50 bis 200 ha geplant, bestimmt für das "volks- und wehrpolitische Führertum" (PA 1940 a: 8, 9; Institut 1942: 136, 137). Das NS-Leitbild des "Soldaten und Bauern" wurde unübersehbar durch einen nach Osten gelegenen "Grenzwall (...) in Gestalt eines tief gestaffelten Gürtels germanischer Bauernhöfe", welche später exakter als "Wehrbauerngebiete" in der "Grenzsicherungszone" zwischen "Volkstumgrenze" und "Wehrgrenze" beschrieben wurden (Institut 1942: 5, 1942: 404, 406; Wenk 1995, Abb.1 u. 7).

    Wenn auch nach 20jähriger Bewährung in Erb- und Zeitlehen Grund und Boden als "Eigentum besonderen Rechts" übertragen werden sollte, so stärkte speziell der Generalplan 0st 1942 den Anspruch auf das strikte, zentrale Bodenmonopol des RKF (Institut 1942: 403-407)


    Der Generalplan Ost. Working Paper des IWISOLA der HUB Nr. 38, M. Burchard Berlin 1997

     

    1.4 Die "Volkstumfrage" und die Verwendung des "Produktionsfaktors Arbeit"

    1.4.1 Aufstieg der "deutschen" Menschen

    Schon der Name des "Reichskommissariats für die Festigung deutschen Volkstums" war Programm (Greifelt 1941: 4; Buchheim 1965: 217 f.). Auf der Basis der real höchsten Flächenproduktivität in Europa und rassischer Selbstüberhöhung wurden deutsche Siedler das Maß aller Dinge und gleichzeitig das Hauptproblem durch ihre numerischen Begrenzung: "Fortgang und Ausmaß der Eindeutschung der Ostgebiete wird daher ausschließlich davon bestimmt, wieviel geeignete Familien (...) angesetzt werden können" (PA 1940 a: 4; Meyer 1942 b: 120-122). Der Generalplan 0st 1942 sah neben 3,9 Mio. Altreichsiedlern "Volksdeutsche" aus Mittel- und Osteuropa (600.000), aus Übersee (160.000) und 150.000 "germanische Siedler" aus Nord- und Westeuropa vor (Institut 1942: 437, 440). Durch "großzügige, ausreichende und beispielhafte Lösung des Wohnungsproblems" sollten sie als ländliche und städtische Siedler in den Osten gezogen werden, da "den deutschen Menschen Verhältnisse, wie sie in Polen waren, nicht zugemutet werden können" (Institut 1942: 407, 408; Berliner Landanzeiger 1941: 134). Die "neue ländliche Besitzstruktur" sollte auch einem "deutschen Landarbeiter Raum (...) und Aufstiegsmöglichkeiten sichern" (PA 1940 a: 8). Neben der militärpolitischen "Sicherung" und "Eindeutschung" wurde die bevölkerungspolitische Aufgabe der "Neubildung [und Mehrung des] deutschen Bauerntums" stark betont (Neues Bauerntum 1933: 394; Wenk 1995: 21). Für das Studium der Landwirtschaft etwa wurde nicht nur die politische Gesinnung, sondern auch zwei praktische Lehrjahre und die "Reinheit von jüdischem oder farbigem Blut bis 1.1.1800" Vorbedingung (Neues Bauerntum 1935: 426; Grundmann 1979: 45). An der Berliner Agrarfakultät war diese "Bauernfähigkeit" durch jüdische Herkunft nicht immer gegeben, so daß 1938 in mindestens drei Fällen. Selbst beim Gründungsdirektor des Instituts für Landwirtschaftliche Marktlehre, Prof. Dr. Karl Brandt, wurde noch im Mai 1942, neun Jahre nach seiner Emigration in Abwesenheit der "Entzug des Doktorgrades wegen nichtarischer Abstammung" vorgenommen (Klemm 1994: 26-28).

    1.4.2 Behandlung der "Fremdvölkischen"

    Die "fremdvölkische" Bevölkerung in den neuen Siedlungsgebieten wurde auf 30 bis 70 Mio. geschätzt (Ehrlich 1942: 48; Wekel 1942: 300). Aus völkischer, deutscher Sicht stellten diese Menschen ein sicherheits- wie volkstumpolitisches Risiko mit der Gefahr der "dauernden Seßhaftwerdung, Überfremdung, Unterwanderung und Rassenmischung" dar (PA 1942 b: 194, 202; Himmler 1940: 2; Oberländer 1940: 127/128). Gleichfalls suspekt war ihre wenig transparente Subsistenzwirtschaft mit geringer Marktanbindung (Meyer 1942 b: 119; Brinkmann 1943: 64).

    Zur "Rückgewinnung deutschen Blutes" in den eingegliederten Ostgebieten erließ der Reichskommissar zur Festigung deutschen Volkstums Himmler im September 1940 die Richtlinien zur Volkstumspolitik bzw. im März 1941 die Verordnung zur "Deutschen Volksliste" (Aly, Heim 1991 c: 143; Wasser 1993: 109112). Sie klassifizierten Personen deutscher Herkunft nach ihrer unterschiedlichen Eignung zur Eindeutschung, sahen u.a. eine Staatsangehörigkeit auf Widerruf vor und verliehen unterschiedliche bürgerliche und soziale Rechte, je nach Verhalten im Volkstumskampf und erkennbarem Leistungs- und Aufstiegswillen (Aly, Heim 1991 c: 144). Sieben der zehn Mio. Einwohner der "eingegliederten Ostgebiete" fielen in die Gruppe D "Fremdvölkische" und waren nahezu rechtlos (Aly, Heim 1991: 145). Polykratische Machtkämpfe und Kompetenzüberschneidungen beteiligter Institutionen, vor allem aber verschärfte ökonomische "Kriegsnotwendigkeiten" veränderten permanent das Maß der praktischen Anwendung. Eine größere Bedeutung erlangte die folgende Klassifikation der "Umwandererzentrale" von 1942 (Müller 1942: 86; Roth 1985 b: 81; Wasser 1993: 109,136,141):

    1. (Sofort) Eindeutschungsfähige.
    2. (Nach Aufenthalt im Altreich) Wiedereindeutschungsfähige
    3. nur in arbeitsmäßiger Hinsicht von Bedeutung
    4. vorgesehen für das Arbeitslager in Auschwitz mit Ausnahme der Kinder bis zu 14 Jahren und der Personen über 60 Jahre, die in Rentendörfer verbracht werden.

    Im Punkt zwei des Geheimen Erlasses zur Gründung des RKF vom 7.10.1939 heißt die Aufgabenstellung: "Die Ausschaltung des schädigenden Einflusses von solchen volksfremden Bevölkerungsteilen, die eine Gefahr für das Reich und die deutsche Volksgemeinschaft bedeuten" (Gröning 1987: 82; 1940: 32, 73; Ehrlich 1942: 49). Euphemistische Verschleierung und Vorsicht in der Offenlegung direkter Zielsetzungen verhinderte selbst in der Siedlungsfachzeitschrift Neues Bauerntum die direkte Nennung des Wortlautes und beschränkte sich auf Andeutungen (Neues Bauerntum 1940: 73; Roth 1993: 91; Buchheim 1965: 217).

    Der Generalplan 0st 1942 überging überwiegend das Problem der Exmittierung der autochtonen Bevölkerung (Wasser 1993:58). Speziell in den "Neubauzonen" wurde diese "Schmutzarbeit " als gern arbeitsteilig dem Sicherheitsdienst des RSHA überlassen. Nach den gezielten Massenhinrichtungen der politisch-akademischen Führungsschicht in Polen im Herbst 1939 - nach Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion wurden vier mobile Einsatzgruppen mit ähnlichem Auftrag bzw. Schwerpunkt der Liquidation der Juden aufgestellt - leitete der Sicherheitsdienst die sogenannten "Einwanderer-" und "Umwandererzentralen" (Rürup 1991 b: 117f.; Roth 1993: 32-34). Die Kombination von Deportation- und Neuaufbau führte im Herbst 1939 in Poznan/Polen zur Bildung einer Doppelbehörde für die "volksdeutsche Umsiedlung" und zugleich für die "Evakuierung und den Abtransport der Polen und Juden in das Generalgouvernement" (Roth 1993: 32-34).

    Durch eine Expertise des "Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete" wurde bekannt, daß im Generalplan 0st 1941, dem sogenannten "Gesamtplan Ost" des RSHA, 14 Millionen "Wiedereindeutschungsfähige" der Gruppe I und II einer Zahl von 31 Millionen "Auszusiedelnden" Osteuropäern der Gruppe III und IV gegenüberstanden, wobei eine Korrektur der Bevölkerungszahlen zu 46 bis 51 Millionen "Auszusiedelnden" führte (Wetzel 1942: 298300; Roth 1985 a: 46, 51).

    Im Vergleich der Prozentzahlen der "rassisch Unerwünschten" zwischen dem Sicherheitsdienst des RSHA und dem Dahlemer Planungsamt (siehe Übersicht 1 im Anhang) fällt eine relative Mäßigung des Sicherheitsdienstes auf: einer "Eindeutschungsfähigkeit" von 15% im "Gesamtplan Ost" 1941 steht im Mai 1942 die radikale Annahme der "Eindeutschungsfähigkeit" von nur 80.000 "Goralen" (polnische Ethnie, d. Verf.) gegenüber, welches sogar weniger als 1/2 Prozent der polnischen Bevölkerung bedeutet (Institut 1942: 440). Durch Annahme einer polnischen Bevölkerung von 20 Mio., im "deutschen Interessengebiet" Zentral- und Westpolen und dem Baltikum von 4,1 Mio. und Verringerung der Bevölkerung Leningrads von 3,2 Mio. auf 200.000 deutsche Menschen ergab sich eine Gesamtüberschlagszahl der zu deportierenden "rassisch unerwünschten" Menschen von mindestens 25 Mio. (Wetzel 1942: 300; Ehrlich 1942: 48; Institut 1942. 436-437; 440). Der Prozentsatz der "Eindeutschungsfähigkeit" stieg im Verlauf des Jahres 1942 für Polen bis auf 5% (PA 1942 c: 239). Dies bedeutet jedoch immer noch trotz Berücksichtigung der Kriegsverluste und dem aktuellen Stand der Massenvernichtung für Gesamtmitteleuropa eine Deportationszahl von über 30 Millionen Menschen (PA 1942 c: 241; Roth 1993: 72).

    Russen waren durch das Stigma des "jüdisch-bolschewistischen" Erz-Feindbildes ganz unten in der NS-Wertungsskala angesiedelt: Für den Schriftsteller und Rassekundler H.K.F. Günther, von 1935/36 bis 1939 o. Professor für Rassekunde, Völkerbiologie und Ländliche Soziologie an der Berliner Agrarfakultät in Dahlem, waren russische Menschen nicht in die von ihm entwickelten sechs europäischen Systemrassen einordnungsfähig (Wetzel 1942: 313). Die "Liquidierung des Russentums" bzw. allgemein die "Verschrottung" der rassisch unerwünschten Bevölkerung erschien nicht bzw. nur unter bestimmten Voraussetzungen durchführbar (Wetzel 1942: 295, 313). 3 Mio. von 5,7 Mio. russischen Kriegsgefangenen, d.h. mehr als 60% überlebten nicht die deutsche Gefangenschaft (Herbert 1991: 111). Zwischen Juni 1941 und Januar 1942 starben im Durchschnitt 6.000 Russen täglich (Aly, Heim 1991 b: 97). Erst mit dem Ausbleiben des Blitzsieges und der militärischen Wende in Stalingrad 1942/43 ergab sich die Notwendigkeit der Zwangsarbeit besonders in der Rüstungsindustrie (Madajczyk 1994: Xl11/)CIV).

    Zwangsarbeit war schon im Generalplan 0st 1942 vorgesehen: Achtmal wird ein "größerer kolonnenmäßiger Einsatz von Kriegsgefangenen und niedrig zu entlohnenden fremdvölkischen Arbeitskräften" eingeplant, z.B. im Straßenbau, mit einem Gesamtarbeitseinsatz von 12.403,8 Millionen Arbeitsstunden (Institut 1942: 418-425). Gerade die relativ geringe Zahl von 300.000 Zwangsarbeitern sprach für das geplante Prinzip "Vernichtung durch Arbeit" (Institut 1942: 430; Roth 1993: 75 f.; Karny 1987; 133 f.). Ansonsten waren Zwangsarbeiter "nur als Platzhalter für deutsche Berufstätige angesehen, die sofort abgeschoben werden" "nach Erledigung dieser Arbeiten" (PA 1942 b: 202; Himmler 1940: 4).

    Der Fall Stalingrads, allierte Bombardements westdeutscher Industrie- und Rüstungsbetriebe und die Übernahme der Inspektion der Konzentrationslager in das VWHA induzierten zum Kriegsende eine außerordentliche Straffung und Effizienzsteigerung der Zwangs- und KZ-Arbeit (Roth 1993: 78): der im Sommer 1944 erreichte Höchststand betrug 5,7 Mio. Zivilarbeiter, knapp 2 Mio. Kriegsgefangene und im Frühjahr 1945 über 700.000 KZ-lnsassen (Herbert 1991: 119, Roth 1993: 73 f.; Zentner/Bedürftig 1985: 530). Damit waren 26,5% aller Beschäftigten im Reich Ausländer, in der Landwirtschaft waren es 46%, in der Industrie knapp 40% und in der engeren Rüstungsindustrie etwa 50% (Herbert 1991: 119). Allein die Behandlung der jüdischen Bevölkerung war schon im Frühjahr 1940 eindeutig festgesetzt: "Es wird im folgenden vorausgesetzt, das die gesamte jüdische Bevölkerung dieses Gebietes von rund 560.000 bereits evakuiert ist bzw. das Gebiet noch im Verlauf dieses Winters verläßt" (PA 1940 c: 3; Roth 1993: 33).

     

    1.5 Kosten und Finanzierung

    Bereits der Generalplan 0st 1942 des Dahlemer Instituts für Agrarwesen und Agrarpolitik überzeugte eindrücklich durch seine Kombination von Struktur- und Ablaufplanung und einer Machbarkeit suggerierenden Detailkalkulation (Müller 1991: 105). Mit einem "Gesamtaufbauaufwand von 6.256 RM je angesetztem deutschen Siedler" bei 1.666.226 städtischen, 1.679.578 ländlichen, insgesamt 3.345.804 Siedlern, wurden die Kosten bis auf Kopf und Reichsmark genau bestimmt (Institut 1942: 437, 440). Lediglich der Aufbau der 650.000 Industriearbeitsplätze wurde geschätzt angegeben mit je "6.000 bis 10.000 RM, im Durchschnitt also 8.000 RM" (Institut 1942: 417). In der Tabelle "Menschenbedarf" und "Aufbaukosten" finden sich die Angaben für die 36 Stützpunkte und drei Marken in Fünfjahresabschnitten auf 100 Menschen bzw. 100.000 RM genau (Institut 1942: 438, 439).

    Der Finanzbedarf der Ostsiedlung war gewaltig. An der Universität Jena wurde eigens ein "Institut für Geschichte und Praxis des Finanzwesens" unter Leitung von Professor Felix Boesler eingerichtet (Boesler 1942: 366; Aly, Heim 1991 a: 405). Der "Grundgedanke, den Aufbau möglichst weitgehend auf die Vermögenswerte und Volkskräfte der Siedlungsgebiete selbst abzustellen", z.B. über Verkaufserlöse aus Grundvermögen, Anzahlungen von Siedlern oder den "Gegenwert aus dem Einsatz fremdvölkischer (...) Arbeitskräfte" (Institut 1942: 422) schien begrenzt: Die Gesamtaufbaukosten in den ersten 25 Jahren von 45,7 Mrd. RM, in den eingegliederten Ostgebieten und 20,9 Mrd. RM in den Marken und Stützpunkten, insgesamt 66,6 Mrd. RM, sollten zu 42% auf dem privaten Kapitalmarkt und zu 34% aus dem ordentlichen Reichshaushalt aufgebracht werden (Institut 1942: 424).

    Der Höhepunkt dezidierter technokratischer Planung stellte der 200-seitige "Generalsiedlungsplan" zzgl. 25 Kleinkarten und Tabellen vom Oktober 1942 dar (Madajczyk 1994: 235 ff.). Nach den weltanschaulichen, volkspolitischen und raumpolitischen Forderungen mit den Flächen- und Bevölkerungszahlen des Statistischen Jahrbuchs 1941/42 folgten die sehr konkreten Bedarfsaufstellungen von 2,9 Mio. städtischen und 9,5 Mio. ländlichen Neusiedlern. Zusätzlich waren die Betriebsgrößen, der AK-Bedarf, der fünfjährige und sogar einjährige Kostenaufwand in den fünf Hauptsiedlungsgebieten bis hin zum Baustoffbedarf an Mauersteinen und Eisen angegeben (Madajczyk 1994: 235 ff.). Die Gesamtaufbaukosten für den auf 30 Jahre angelegten Plan verteilten sich wie folgt.

    Durch den "Einsatz von Häftlingskolonnen für den gesamten und nicht nur für den ländlichen Aufbau" sowie "sehr starke Rationalisierung" ließen sich 30% der Baukosten bzw. nach Abzug der Häftlingsversorgung noch 15% der Gesamtkosten, entsprechend 18,3 Mrd. RM, einsparen (von Schauroth 1943: 259).

    Zur Berechnung der Aufbaukosten und möglichen Finanzierung arbeitete das Planungsamt mit den Agrarökonomen und Hochschullehrern Rolfes, Gießen und Waldhäusel, Leipzig, zusammen (von Schauroth 1943: 259; Roth 1993: 92). Selbst bei kostenloser Übernahme von Siedlungsland konnte ein 30-ha Betrieb nur gut zehn RM pro Hektar und Jahr als Tilgungsbeitrag der Aufbaukosten leisten (von Schauroth 1943: 258).

    Gesamtaufbaukosten in Fortführung des Generalsiedlungsplan
    von Ende 1942 bei einem Planungszeitraum von 30 Jahren

        (Mrd. RM)
    1. Landschaftsaufbau: 11,5
    2. Verkehr und Versorgung: 25,0
    3. LändlicherAufbau: 56,5
    4. Industriesufbau: 11,2
    5. StädtischerAufbau: 38,5
    6. Vorrichtungen: 1,5
      Summe: 144,2

    Anmerkung zu 3: 360.000 landw. Wohn- und Betriebsgebäude und ihre Inventarisierung

    Quelle: von Schauroth, U. (1943) Vermerk für E. Mäding zum Vermerk über "Eigenes Finanzierungsinstitut", Bundesarchiv R 49/986. In: Madajczyk, C. (Hg) (1994) Vom Generalplan 0st zum Generalsiedlungsplan. Dokumente. München, New Providence, London, Paris: 257-260


    Der Generalplan Ost. Working Paper des IWISOLA der HUB Nr. 38, M. Burchard Berlin 1997

     
    1.6 Die praktische Bedeutung des GPO

    Zur Einschätzung der Praxisrelevanz ist zunächst die Koinzidenz von Planung und Vernichtungsprexis festzuhalten (Roth 1993: 27; Madajzyk 1998: 849). Professor K. Meyer bezeichnete die wissenschaftliche Planung 1941 als "Vorstufe, Vor- und Begleitarbeit des Ordnungsvollzuges" und forderte zwecks "totaler Ordnung" immer wieder eine einheitliche zentrale Befehlsgewalt für den Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei, H. Himmler (Meyer 1941 b, 1943: 281; Institut 1942: 402).

    Zur Germanisierung Westpolens als "neue" bzw. "eingegliederte deutsche Ostgebiete" leitete der Chef des Planungsamtes von 1940 bis 1941 in Personalunion zugleich das Zentralbodenamt, welches in dieser Zeit etwa 800.000 polnische Kleinbetriebe beschlagnahmte zwecks "Sicherstellung von ehemaligem polnischen und jüdischen landwirtschaftlichen Vermögen" (Mundt 1941: 411, 414; Rose 1943: 147).

    Zu den punktuellen Neuansiedlungen in territorialer Reichweite des Generalplan 0st gehörten die Ansiedlung von rund 200.000 repatriierten "Volksdeutschen" in den "wiedergewonnenen" Provinzen Westpreußen und Posen, die Wiederansiedlung von 30.000 zeitweise repatriierten litauischen Deutschen im südwestlichen Litauen und die Ansiedlung von 10.000 Wolyniendeutschen in der Ukraine (Madajczyk 1994: Xl). In Abweichung der projektierten zentralen Orte wählte Himmler dabei die "Siedlungszellen" Winniza (Transnistrien) und Shitomir, Ukraine, wo sich auch sein demonstratives Feldhauptquartier "Hegewald" auf dem Weg Richtung Krim befand (Wasser 1993: 26, 60, 242; Müller 1991: 107).

    Am 18.8.1942 ordnete Himmler als Reichsführer der SS mit der Allg. Anordnung Nr.17c die Einrichtung des ersten deutschen Großsiedlungsbereiches im Generalgouvernement in Zamosc an (Himmler 1942 b: 211; Müller 1991: 106). Hierbei wurden innerhalb eines Jahres über 100.000 Polen in nahezu 300 Dörfern nach den vier Wertungsgruppen des SD selektiert, wobei zwei weitere Ziele die Partisanenbekämpfung ("Pazifierung") und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung ("Aktion Reinhard") waren (Wasser 1993: 91, 104 f., 1993: 133 f.). Die mit 112.000 zur Zwangsarbeit ins "Reich" verschickten Polen unterschritten weit das geplante Kontingent, da die Brutalität der polizeilichen Maßnahmen von 260 großen Terroraktionen eine massive Flucht- und Partisanenbewegung förderte (Wasser 1993: 143,151). Allein 34 Dörfer wurden völlig liquidiert und erlitten das gleiche Schicksal wie der tschechische Ort Lidice (Wasser 1993: 151, 324, 324). Im Höhepunkt der Neuansiedlung im Juli 1943 lebten 2890 Familien mit 12.909 Personen in 143 "deutschen" Dörfern (Wasser 1993: 188,190).

    Im Rahmen der "Umvolkung" und "Fahndung nach deutschem Blut" war geplant, 35.000 geeignete polnische Kinder zwecks "Eindeutschung" ins Altreich zu verbringen (Schubert 1941: 404; Wasser 1993: 138, 141-142). Die dadurch induzierte Partisanentätigkeit war jedoch zu heftig, so daß Kinder in der Regel mit den Alten in "Rentendörfer" abgeschoben wurden. Über 20 Prozent der klassifizierten Polen sollten in das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz überstellt werden, was jedoch nur unkonsequent umgesetzt wurde (Wasser 1993: 142, 111). Zamość im Distrikt Lublin hatte durch seine infrastrukturelle Zentrallage, seiner hohen natürlichen Bodenfruchtbarkeit, seinem hohen jüdischen Bevölkerungsanteil und Planungen für einen SS-Hauptstützpunkt Modellcharakter für die Germanisierung im Osten (Wasser 1993: 61, 67). In den drei Vernichtungslagern des Distrikts Lublin, Sobibor, Belzec und Majdanek sowie den zahlreichen Arbeitslagern kamen insgesamt etwa 1,5 Millionen Menschen ums Leben (Wasser 1993: 65). Nach einem Tätigkeitsbericht des Reichskommissariats für die Festigung deutschen Volkstums Ende 1942 wurden u.a. 6 Mio. ha ländlicher Grundbesitz beschlagnahmt und von alten Schulden freigestellt, etwa 300.000 Elsässer, Lothringer und Luxemburger nach Frankreich abgeschoben oder umgesiedelt und 445.000 der 630.000 rückgeführten Auslandsdeutschen "im wesentlichen durch entschädigungslose Verwertung früheren fremdvölkischen Vermögens" wiederangesiedelt, bei einer relativ kleinen Unterstützung mit Reichsmitteln von etwa 1 Mrd. RM (RFK 1942 b: 500).

    Im Bericht einer Inspektionsreise im Siedlungsgebiet Shitomir/Berdicev schrieb der Chef des Planungsamtes im Juli 1943 zusammenfassend: "Die Maßnahmen zur Festigung deutschen Volkstums (...) haben sich im ganzen bewährt" (Meyer 1943 b: 280). Es kann als zwingend angenommen werden, daß im Fall eines militärischen Sieges die SS Heinrich Himmlers den Generalplan 0st im vollen Umfang realisiert hätte (Heiber 1958: 294; Madajczyk 1989: 855, 856; Wasser 1993:55).

    Auch in den Zivil- und Militärverwaltungen der besetzten europäischen Nachbarländer waren etwa 15.000 deutsche Landwirtschaftsführer eingesetzt, darunter manche Agrarwissenschaftler (Klemm 1994: 117, 118;). Es gelang ihnen durch eine rücksichtslose Ausbeutung nicht nur die Wehrmacht überwiegend aus den besetzten Ländern zu ernähren, sondern zusätzlich Lebensmittel für den Verbrauch in Deutschland zu requirieren und somit die Versorgung in Deutschland bis zum Herbst 1944 auf dem höchsten Stand aller europäischen kriegführenden Mächte zu halten (Herbert 1991: 126; 1991 a: 386).

     

  2. Autoren und spezifische Mentalitäten
    Im größeren Rückblick zur NS-genozidalen Ost(siedlungs)planung ist inzwischen die Marginalisierung wichtiger Tätergruppen zu überzeugungslosen Befehlsempfängern oder sozial entwurzelten rechten Radikalen kaum aufrechtzuerhalten. Die Hälfte der 14 Teilnehmer der Wannseekonferenz zur "Endlösung der Europäischen Judenfrage" im Januar 1942 waren promovierte Akademiker, zumeist Juristen (Tuchel 1992: 166, 157). Otto Ohlendorf (1907-1951), als Chef der "Einsatzgruppe D" 1941/42 für den Judenmord im rückwärtigen Heeresgebiet verantwortlich, war Assistent am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und ab 1935 Abteilungsleiter am Institut für angewandte Wirtschaftswissenschaften in Berlin (Rürup 1991 b: 126). Mit "Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989" legte Herbert (1986) eine exemplarische, fundierte Täterbiographie eines völkischen Intellektuellen aus dem SD des RSHA vor. Für eine enge ideologische Verflechtung und Kooperation mit der Berliner Universität stand auch der o.a. Professor für Rassebiologie, Bruno K. Schulz, später Ordinarius in Prag und seit 1941 Leiter des Rasseamtes im Rasse- und Siedlungshauptamt (Heiber 1958: 294).

     

    2.1 Das Planungsamt des RKF der SS und seine Mitarbeiter

Im Herbst 1933 berief Himmler in seiner neuen Funktion als "Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums" den SS-Obersturmbannführer Prof. K. Meyer zu seinem Siedlungsbeauftragten (Meyer o.J.: 102, 103). Von 1935 bis 1939 hatte Meyer tatkräftig an der fachlichen und institutionellen Etablierung der neuen Disziplin "Raumforschung" als Obmann der "Reichsarbeitsgemeinschaft für Raumforschung" gewirkt, einschließlich der Herausgabe der Monatsschrift "Raumforschung und Raumordnung" (Rössler 1990: 164; RuR (1): 50 f.). Dann aber widmete er sich konsequent dem Aufhau des Planungsamtes und der Herausgabe der Siedlungszeitschrift "Neues Bauerntum" (Meyer o.J.: 91, 92; Burchard 1993: 16, 46, 48). Das Dahlemer Planungsamt, Podbielskiallee, war eine einflußreiche Unterabteilung des 1941 zum Stabshauptamt erhobenen "Reichskommissariats für die Festigung deutschen Volkstums" mit Sitz in Berlin-Halensee, Kurfürstendamm 141/142, unter Leitung von SS-Oberführer U. Greifelt (Heiber 1958: 297). Ihren Sitz fand die Hauptabteilung II "Planung", später Hauptabteilung IV "Planung und Boden" bzw. Amtsgruppe C im Stabshauptamt des RKF in einer mittelgroßen Villa in der Podbielskiallee 25/27, welche durch Spenden der "Vereinigung der Freunde und Förderer der Landbauwissenschaft e.V." erworben war (Burchard 1993: 23; Meyer o.J.: 83). Sinnbildhaft für die enge Personalunion und ideologische Vereinnahmung war das Gebäude zeitgleich auch der Sitz des "Forschungsdienstes" als Zwangskörperschaft der gesamten deutschen Landwirtschaftswissenschaft, welche Meyer gleichfalls leitete (Meyer o.J.: 91, 92; Klemm 1994: 22). Für die Ostsiedlungsplanung hatte er die Vollmacht, "die besten Männer heranzuholen, gleich, ob in der Partei oder nicht" (Meyer o.J.: 105). Die ersten z.T. ehrenamtlichen Mitarbeiter waren die Assistenten des Instituts für Agrarwesen und Agrarpolitik Im Dol 27/29 und die wissenschaftlichen Mitarbeiter des "Forschungsdienstes" (Meyer o.J.: 105, 163; Rössler 1990; 165-167). Der junge, bewegliche, von der bürgerlichen Jugendbewegung geprägte Mitarbeiterstab umfaßte u.a. den Geographen Dr. W. Christaller, Dipl-lng. U. von Schauroth, Oberbaurat J. Umlauf, Dr. Ing. H.-J. Schacht, Dipl.-lng. H. Frank, SS-Untersturmführer Dr. Gebert, SS-Untersturmführer Dr. Doubeck, SS- Obersturmführer Dr. jur. Mäding, Obersturmbannführer H. Mundt (Bodenamt) sowie den Sonderbeauftragten für Landschaftspflege Professor H. Wiepking

Jürgensmann (Gröning 1987: 11; Roth 1993: 25 f.; Meyer o.J.: 105, 106; Meyer 1941 a: 376). Für den Volkskundler Doubeck ist ein arbeitsteiliger Vertrag mit der Publikationsstelle Dahlem bekannt, welche als Filiale des Geheimen Staatsarchivs volkspolitisches und statistisches Datenmaterial aus Polen und Rußland übersetzte und anderen Institutionen wie SD oder RKF zur Verfügung stellte (Burleigh 1988: 165; Rössler 1990: 121 f.). Mäding als verantwortlicher Mitarbeiter des Generalsiedlungsplans vom Dez. 1942 wechselte anschließend zum SD-lnland des RKF in die Amtsgruppe III A, wo der erste explizite Vernichtungsplan enstanden war (Roth 1993: 83). Nachdem der Machtkampf um die Planungshoheit zugunsten des RKF-Planungsamtes entschieden war, bestand auch institutionell durch die Unterstellung der acht Bodenämter des ZBA und einer Zweigstelle des Planungsamtes in Posen eine sichtbare Machtfülle zwischen Straßburg und der Krim (Müller 1991: 95; Burchard 1993: 51; Mundt 1941: 411). Neben den direkten Siedlungsplänen und den "Materialien zum Vortrag Siedlung" entstanden hier die von Himmler unterzeichneten "Grundsätze und Richtlinien für den ländlichen Aufbau in den neuen Ostgebieten" als Richtlinien für die Fachleute der zuständigen Ministerien und führende Persönlichkeiten aus Partei, Staat und Wirtschaft (Meyer o.J.: 108; Burchard 1993: 72; Wasser 1993: 39).

 

2.2 Das Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik und seine Mitarbeiter

1933 wurde der Lehrstuhl für Bienenkunde des aus politischen oder rassischen Gründen vorzeitig in den Ruhestand versetzten Prof. Dr. L. Armbruster in das neue Ordinariat für "Ackerbau- und Landbaupolitik" umgewandelt (Klemm 1994: 27, 29). Die Neuberufung des Institutsdirektors und Autodidakten Konrad Meyer, der mit einem Fachwechsel von Pflanzenzüchtung über Acker- und Pflanzenbau zu Agrarpolitik, Raum- und schließlich Ostsiedlungsplanung wechselte, erwies sich bei gleichzeitiger großer Ämterhäufung als sehr einflußreich (Roth 1985 a: 47; Burchard 1993: 45 f.). Durch Meyers Führungsstärke, Organisationstalent und mit der Hilfe des preußischen Finanzministers Popitz gelang es 1938, die Dahlemer Villa im Dol 27/29 zu erwerben (Meyer o.J.: 84, 90). Das inzwischen in "Agrarwesen und Agrarpolitik" umbenannte, technisch sehr gut ausgestattete Institut war vermutlich das einflußreichste Agrarinstitut in Deutschland (Burchard 1993: 13, 60, 125). Als zeitweise Mitarbeiter sind bekannt Dr. sc. agr. H. Hamann, Dr. H. Morgen, Dipiomvolkswirt A. von Machui und die Geographin A. Sievers (Meyer 1941a: 376, o.J.: 88, 106). Ob Himmler den Generalplan 0st 1942 bewußt vom Institut als eine externe wissenschaftliche Institution herausgeben lassen wollte oder ob Institutsdirektor Meyer selbständig die weitere wissenschaftliche Untersuchung im Institut einleitete, ist letztlich unerheblich (Meyer o.J.: 84, 106, 163, 1941 a: 376; Heiber 1958: 289; Madajczyk 1988: 90). In jedem Fall ist eine mehrjährige "enge personelle Verzahnung" und Kooperation mit dem Planungsamt unübersehbar (Rössler 1990: 165 ff., Gröning 1987: 38, 39). Auch bei der Aufgabenverteilung zur Weiterbearbeitung des Generalplan 0st vom Mai 1942 war das Institut vertreten (RKF 1942 a: 156).

Im Institut wurde eine ausführliche Arbeit zur Artamanenbewegung angefertigt, zu der auch R.W. Darre, der Kommandant des KZ Ausschwitz Höss und RFSS Himmler Kontakt hatten (Gröning 1987: 17, 18). Damit wurde ein völkisch-radikaler ideologischer Unterbau der Ostsiedlung gefördert, welcher bereits das Konzept der "germanischen Wehrbauerndörfer" enthielt (Gröning 1987: 17,18).

Den tragischen Höhepunkt bildete die "überzeugende" Herausgabe des Generalplan 0st am 28.05.1942: bereits neun Tage später wurde Professor Meyer auch Siedlungsbeauftragter zweier Ministerien, beim Reichsleiter für Agrarpolitik und beim Reichsbauernführer (Backe 1942 b: 132).

 

2.3 Technikbegeisterung und Modernität

Die kaum zu überschätzende Begeisterung für die Ostsiedlungsplanung - ein Institutsdirektor für Tierzucht sprach von der "größten Völkerwanderung aller Zeiten" - ist heute kaum nachzuvollziehen (Carsten 1941: 156; Meyer o.J.: 108, 109; Rössler 1990: 126). Im Unterschied zur brutalen Zwangskollektivierung unter Stalin oder späteren agrarromantisch-ideologischen Ansätzen (chinesische Kulturrevolution, urbane Entvölkerung durch Rote Khmer in Kambodscha) gelang die Integration von Wissenschaft und Technik in die rassische NS-Volkstumideologie. "Die Durchsetzung des agrarischen Milieus mit moderner Technik und angehäuften städtischen Bildungsgütern sowie die fortschreitende Rationalisierung des dörflichen Lebens werden sich auf die Dauer nicht aufhalten lassen.... Es gilt, die Errungenschaften des rationalen Zeitalters als positiv gestaltendes Element zu erkennen und sie sinnvoll einer bewußt geformten Lebensordnung einzugliedern" (Meyer 1938: 3, 4). Diese nüchterne, realistische, leicht distanzierte Einstellung zum technischen Zeitalter hinderte keineswegs daran, die genuin wertneutrale Technik und wissenschaftliche Methodologie konsequent für die nationalsozialistischen Ziele der Kontrolle und Beherrschung einzusetzen. Die Christallersche "Zentrale-Orte-Theorie" etwa als ein heute anerkannter Weg zur Optimierung kommunal-ruraler Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen geriet unter der despotisch-imperialistischen NS-Verwaltung zu einem Element brutaler Ausbeutung, Herrschaftssicherung und Kontrolle des Raumes (Gröning 1987: 89, Wasser 1993: 30, 31).

Ein weiteres Ziel bestand in der auch kriegsbedingt geforderten Rationalisierung landwirtschaftlicher Betriebsgrößen zur Schaffung leistungsfähiger Wirtschaftseinheiten, d.h. "die Auslegung und Schaffung genügend großer Höfe, die auch dem technischen Fortschritt eröffnet werden" (Meyer 1941 d: 94; Backe 1942 a: 4; Iversen 1941: 450; Klemm 1992: 346, 347). (Zur Entwicklung der Betriebsgrößen siehe Übersicht 2 im Anhang).

Als tragischer technokratischer Schematismus erfolgte die Festlegung "der idealen Bevölkerungsdichte" und "der richtigen Sozialstruktur" mit einer Sektoralaufteilung von rund 1/3 Landwirtschaft, 35-40% Gewerbe, 10-15% Handel und Verkehr, 10% öffentliche Dienste, Dienstleistungen und sonstiges (Meyer 1941 d: 94). Sie entsprach der Sozial- und Wirtschaftsstruktur der Provinz Hannover als eine der "gesündesten Altreichsgebiete" im Vergleich von "übervölkerten" Industrieregionen und "untervölkerten" Agrarprovinzen wie Mecklenburg und Pommern (Meyer 1941 d: 94; PA 1940 a: 2). Sie dokumentiert Erstarrung, Immobilität und beispiellosen Ethnozentrismus. Das Prinzip der pseudowissenschaftlichen "Wunschbildplanung" und Kombination einer "endgültigen Bereinigung der Realteilungsgebiete im Altreich" durch "Aufbau im Osten", von Himmler 1940 als der "Grund neuester Forschungsergebnisse" gerühmt, war zum einen verbunden mit der statischen und illusorischen Annahme, die Landflucht stoppen zu können (Kann 1939; PA 1940 a: 18). Zum anderen enthielt sie die schmeichelhafte und attraktive Aussicht des sozialen Aufstiegs auch für Landarbeiter mit einem spannungsfreien Strukturwandel ohne Berufswechsel (Meyer 1941 d: 95). Realistisch wurde das "Überangebot an günstigen Arbeitsstellen" (..) "im hochentwickelten Wirtschaftsraum" des Westens erkannt analog zum Mangel an Kaufkraft und gewerblich-industriellen Arbeitsplätzen in den nordöstlichen deutschen Agrarprovinzen (PA 1942 d: 221: Schubert 1942: 145; Grünberg 1937: 299). Den germanischen Siedlern wurde sogar Freizügigkeit und privatwirtschaftlicher Eigennutz zugebilligt: "Die vollständige und dauernde Eindeutschung der Siedlungsgebiete ist nur möglich, wenn ihr Leistungsstand über dem Durchschnittsstand im Volksraum gehoben wird; (...) und das Gefälle von West nach 0st in ein zur Besiedlung erforderliches Ost-West-Gefälle umgewandelt wird" (PA 1942 d: 222).

Die Ausweisung von Siedlungszonen erster und zweiter Ordnung bzw. im Generalsiedlungsplan 1942 von "Umbau-, Ergänzungs- und Neubauzonen" erscheint als ein Element pragmatisch-organisatorischer Ablaufplanung im Rahmen einer sukzessiven West-Ost-Besiedlung (PA 1940 a: 7, 8; PA 1942 a: 161, 162). Die Begeisterung einer fast totalen Planungsfreiheit führte dazu, die "Neubauzonen" ohne erhaltenswerte Strukturen für den "Einsatz kolonnenmäßiger Arbeitskräfte in großem Maß" vorzusehen, in den Umbau- und Ergänzungszonen war immerhin noch die Integration der vorhandenen Bausubstanz geplant (PA 1942 a: 161, 162; RKF 1943: 99).

 

2.4. Die bürgerliche Jugendbewegung

Jugendbewegungen standen im allgemeinen im Protest gegen überkommene bürgerliche Formen und förderten die Bereitschaft zu radikalen, neuen und unkonventionellen Lösungsansätzen im sozialen und politischen Bereich (SPK 1985: 84, 85). Die zeitweise Mitgliedschaft in einer bürgerlichen Jugendbewegung wie "Akademische Freischar Heidelberg", "Jungdeutscher Orden", "Wandervogel" oder des Artamanenbundes ist bei Christaller, Mäding, Meyer, Gebert, von Machui und Umiauf überwiegend nachgewiesen (Gröning 1987. 11 f.). Die Wandervögel hatten ein mystisches Naturverständnis mit Elementen wie germanisches Heldentum, Gruppenidentität, Tatendrang sowie Nackt- und Sonnenbaden (Mosse 1993: 185). Daneben waren das "Führerprinzip", Antisemitismus und eine völkisch-nationale Grundorientierung ein allgemeines Kennzeichen bürgerlicher Jugendbewegungen, welche im artamanischen Konzept des "Wehrbauern" im Osten eine besondere Zuspitzung erfuhr (Mosse 1993: 185; Gröning 1987: 19). Das Desinteresse der politischen Linken an Agrar- und Siedlungsfragen und gegenüber Hand- und Gartenarbeit trotz der Wirtschaftskrisen der Weimarer Republik förderte indirekt die Vereinnahmung ländlicher Siedlung durch die völkisch-radikalen Rechten. Eine Ausnahme bildeten zionistische Jugendbünde, welche z.B. allein in Brandenburg zeitweise 28 Hachscharah-Vorbereitungslager mit landwirtschaftlich-handwerklicher Schulung zur Vorbereitung auf das Leben in Palästina unterhielten (mündlich nach Weiss, Paek, Hennings 1997).


Der Generalplan Ost. Working Paper des IWISOLA der HUB Nr. 38, M. Burchard Berlin 1997

 

2.5 Naturschutz und Pantheismus

Ursprung und Wesen des Kosmos wurde von führenden Siedlungsplanern monistisch aufgefaßt. Meyer etwa anerkennt die Naturgesetzlichkeiten als Ordnungsprinzip und spricht von der "beseelten, gesunden Naturlandschaft. (...) Das biologische Denken wird auch den Rationalismus in der Landwirtschaft auf ein vernünftiges Maß zurückführen und die Einheit von Mensch und Natur, Bauwerk und Landschaft wiederherstellen" (Meyer 1943 a: 142, 145; Schürmann 1941: 35). Unübertroffen wird der mystische Pantheismus bei Professor Wiepking-Jürgensmann, wenn er von "Ausschwingen seelischer Kräfte" und Tiere und Pflanzen als Freunde und Brüder" spricht (1942: 229, 236). Die pantheistische Aufwertung der belebten und unbelebten Natur führte seit 1935 zu einer engagierten Natur- und Tierschutzgesetzgebung mit der Ausweisung zahlreicher Naturschutzgebiete und des grundsätzlichen Verbotes der Hetzjagd zu Pferd und Hundemeute auf Lebendwild (Neues Bauerntum 1939: 130; Reichsjagdgesetz 1936: 112, 120). In den "Grundsätzen und Richtlinien für den ländlichen Aufbau der neuen Ostgebiete" wird die planvolle, naturnahe und ökologische Landschaftsplanung mit kurzen Stoffkreisläufen ein grundlegendes Gestaltungsprinzip (AA. Nr. 7/II 1940: 366; 20/VI 1942). "Und das Ideal wäre, wenn der Raum eine so dichte Bevölkerung besäße, daß diese Veredelungserzeugnisse { der bodenständigen Verarbeitungsbetriebe} auch zum erheblichen Teil im Raum selbst ihren Abnehmer finden würden" (Meyer 1941 d: 94). Da kein "riesiger Agrarraum" geplant war, wie Schleiermacher und Rössler etwas irreführend beschreiben, sondern eine gemischt agrarisch-industrielle Wirtschaftsstruktur mit harmonischer Integration von z.B. neuester Haustechnik bei der Dorfplanung, erschien dieses Konzept der Ostsiedlung sicherlich sehr attraktiv und überzeugend (Schleiermacher 1993: 9, 10; PA 1940 a: 2; AA Nr. 7111 1940: 366). Das philosophische Problem ganzheitlicher Naturfrömmigkeit ist jedoch die Willkür von Werten und das Einhalten von Menschenrechten: "Die Natur ist grausam, darum dürfen wir es auch sein" (Hitler 1935: 234). Das "Gesetz der Auslese (...), welches bei der bäuerlichen Führungsschicht (...) schärfer und unerbittlicher sein sollte", führte zum Entwurf einer nach Osten gut verteidigungsbaren "Wehrlandschaft" ebenso wie zur hunderttausendfachen Deportation und Zwangsarbeit von unerwünschten Menschen (Meyer 1943 a: 143, 144; Gröning 1987: 157 f.). In den meisten der 20 Landwirtschaftsbetrieben der Deutschen Versuchsanstalt der SS wurde "biologisch-dynamisch" gewirtschaftet, so auch in Auschwitz (Jacobeit mündlich 1997).

  1. Erweiterte historische Vorgeschichte

    Bevor in diesem Kapitel die punktuellen Grundlinien der tragischen Ideengeschichte angedeutet werden, dürfen in der Berliner Gesamtrückschau die ausgeprägten liberalen Traditionen vor 1933 nicht übergangen werden. In der Agrarökonomie war die Polarisierung zwischen Anhängern, Mitläufern und Gegnern des NS-Systems deutlich ausgeprägt und selbst nach 1933 noch nuanciert erkennbar (Burchard 1993: 9; Klemm 1992: 297, 345). Für ein freiheitliches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem und sozialverantwortliche Charakterstärke standen Theodor Brinkmann (Bonn-Poppelsdorf) und Wilhelm Seedorf (Göttingen), in Berlin die Ökonomen Friedrich Aereboe, Max Sering, Karl Brandt,

    Fritz Baade und Hans Wilbrandt (Klemm 1994: 27, 28, 102). Sie vermochten aber die außerordentlich dynamische nationalsozialistische Machtergreifung auf dem agrarpolitischen Sektor nicht aufzuhalten, welche zudem auf einen großen Rückhalt in der evangelischen Bevölkerung Nord- und Ostdeutschlands bauen konnten (Gies 1968: 232; Falter 1991: 260 f.).

    Zum Prozess der Machtübernahme sei für Göttingen auf Becker (1987), für Berlin auf Klemm (1994: 25-56) verwiesen (s. Übersicht 7).

            3.1 Das 19. Jahrhundert: Agrarromantik, Antiurbanismus und der Siedlungsgedanke

Als erster Agrarromantiker und Mitbegründer der Berliner Tischgesellschaft 1811 ist Adam Müller zu nennen (Lenz 1912: Xl; Frauendorfer 1958: 278). Die "Tischgesellschaft" war ein elitärer Kreis von Aristokraten, Militärs und Dichtern, welche heftigst die Ideen der Französischen Revolution und des Wirtschaftsliberalismus bekämpften bei zugleich mystischer Verherrlichung des Mittelalters (Frauendorfer 1958: 278, 279).

Die Romantiker lehnten Thaers rational-nüchterne Gewerbeauffassung der Landwirtschaft ebenso ab wie die Stein-Hardenbergschen Agrarreformen (Lenz 1912: 22f.). Mit der Liberalisierung des Bodens bei gleichzeitiger Auflösung der sozialen Bindungen sah Müller die Gefahr eines sozialpolitischen Bürgerkrieges (Frauendorfer 1958: 276). Durch die Dynamik der Industrialisierung ab 1850 und tiefgreifende Veränderungen der Wirtschafts- und Sozialstruktur wie z.B. städtisches Wohnungselend erschien das Landleben relativ gesund.

Mit den 1870 einsetzenden amerikanischen Getreideexporten setzte ein heftiger Konkurrenzkampf zwischen der deutschen Industrie und ostelbischen Getreideproduzenten um staatliche (Zoll-)Protektion ein (Frauendorfer 1958: 367 f.; Meyer-Renschhausen 1996: 177). Das Primat der neuen Technik und Ökonomie und selbst die sich entwickelnden Agrarwissenschaften und Landwirtschafts-schulen wurden als Bedrohung traditioneller Lebensweisen empfunden und förderten Juden- und Fremdenhaß sowie Antiurbanismus (MeyerRenschhausen 1996: 180). Sowohl der "Bund der Landwirte", gegr. 1893, wie auch der "Alldeutsche Verband" (1881) und der Ostmarkenverein (1894) forderten exterritoriale staatliche "Lösungen" in Form von Siedlungsförderung im polnischen Osten (MeyerRenschhausen 1996: 180). Eine neue, ungewohnte Kapital- und Machtkonzentration ab 1871 in Berlin förderte dabei den Stolz auf die nationale Einheit und deutsches Sendungsbewußtsein. Die autoritäre und kontrastreiche Sozialhierarchie der Wilhelminischen Zeit drückte sich an der Königlich-Landwirtschaftlichen Hochschule u.a. auch darin aus, daß nur etwa ein Fünftel der zumeist gutsituierten Studenten ihr Studium mit akademischem Abschluß beendeten. Mental bezeichnend für die Kaiserzeit ist die Praxis der Duellierung nach persönlicher Beleidigung, eine Wertschätzung für Uniformen und militärische Stärke sowie die Projektion und die Pflege von Feindbildern (England: das perfide Albion; Frankreich: der Erbfeind; Österreich-Ungarn: die große Schlamperei).

 

3.2 Professorendenkschrift und Max Serings Denkschrift 1915

Nach Ausbruch des siegesgewiß begonnenen Ersten Weltkrieges erklärten sich im Oktober 1914 in kollektiver Einmütigkeit 4000 Hochschullehrer zum preußischen Militarismus als Element deutsch-europäischer Kultur und Wissenschaft (Erklärung 1914). Im Frühjahr 1915 erschien die Kriegsziel-Denkschrift von sechs Wirtschaftsverbänden einschließlich "Bund der Landwirte", Deutscher Bauernbund und Christlich-Deutscher Bauernverein. Die Forderungen umfaßten u.a. kräftige Kriegsentschädigungen vom besiegten Gegner, speziell von Frankreich, die militärische und wirtschaftliche Beherrschung Belgiens mit gesichertem Atlantikhafen, ein großes Kolonialreich sowie territoriale Gebietsansprüche in West- wie Osteuropa, letzteres als "agrarisches Gegengewicht" (Fischer 1964: 109 f.). Im Juli 1915 fordern 1.347 Intellektuelle in der sogenannten "Professorendenkschrift" Siedlungsland im Osten, in Rußland (Eichholtz 1982: 254). Auch der gemäßigte Nationalökonom und Siedlungsexperte Sering kam im Sept. 1915 in seinem offiziellen "Bericht über die eroberten Gebiete des Nordostens" praktisch zur gleichen Forderung, Deutschland könne neben den konkurrierenden Weltmächten USA, England und Rußland nur durch "Erweiterung seines Siedlungs- und Wirtschaftsraumes" bestehen (Fischer 1964: 194). Sering verklärte die Heimat in der gemäßigten Zone zum "eigentlichen Sitz der Volkskraft" und zur Gewährleistung der "Aufzucht von gesunden Menschen" (Fischer 1964:194). Nach der Sicherung der Kolonialgebiete sah er den notwendigen Zusammenschluß Mitteleuropas vor allem im Bereich des slawischen Ostens (Fischer 1964: 194).

 

3.3 Zeit der Weimarer Republik

Ein beängstigend-prägendes indirektes Kriegserlebnis war der "Steckrüben"-Hungerwinter 1916/1917, als infolge der alliierten Seeblockade und ausschließlicher Stickstoffverwendung für die Rüstungsindustrie schwere Versorgungsmängel auftraten. In den zwanziger Jahren gab es zahlreiche Untersuchungen zur Ernährungslage, z.B. F. Aereboe: "Der Einfluß des Krieges auf die landwirtschaftliche Produktion" (Stuttgart 1927). Die Kriegsfolgeschäden und Produktionseinbrüche in der Landwirtschaft waren beträchtlich, konnten aber überraschend schnell durch vermehrtes Interesse und Einsatz deutschen und ausländischen Kapitals überwunden werden (Klemm 1992: 275 f.). Die Popularität des Siedlungsgedanken hielt auch aus pragmatischen Versorgungsgründen an (Klemm 1994: 15, 16). Obgleich die Siedlungsversprechen für Soldaten und Freicorpskämpfer im Baltikum 1919/20 nach Beendigung der Kämpfe kaum eingelöst wurden, gelang es doch, gut 60.000 neue Siedlerstellen auf 660.000 ha Land einzurichten und 100.000 Landzulagen für Kleinstellen zu gewähren (Schulze-K. 1972: 206; Henning 1988: 201). Die einflußreiche Agrarlobby der ostelbischen Großbetriebe verweigerte sich der parlamentarischen jungen Republik ebenso wie der "inneren Kolonisation" und setzte stattdessen auf Revision (Volkmann 1989: 336; Wenk 1996: 157). Ihre Grundprobleme, die wachsende Verschuldung, der temporäre Arbeitskräftemangel, der zu geringe Mechanisierungsgrad mit insgesamt auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähigen Erzeugerpreisen wurden nur unwesentlich angegangen. Als traditionell staatstragender Stand in Preußen forderten sie dafür nach der Wahl von Hindenburg zum Präsidenten der Weimarer Republik massive staatliche Osthilfe und trugen so entscheidend 1932 zum Sturz des letzten stabilen Kabinetts Brüning bei (Niedhart 1992: 137).

Nach dem Aufschwung der angewandten Naturwissenschaften, speziell medizinalhygienischer Seuchenbekämpfung und Genetik und Etablierung der Darwinschen Evolutionstheorie änderte sich auch das Menschenbild. 1927 wurde in der Ihnestraße 22, Berlin-Dahlem das Kaiser-Wilhelm-lnstitut für Anthropologie, Menschliche Erblehre und Eugenik gegründet. Schon 1922 veröffentlichte H.K.F. Günther in München die "Rassenkunde des deutschen Volkes" mit einer Gesamtauflage von 270.000. Die gleiche Auflagenhöhe erreichte der 1926 veröffentlichte revisionistische Erfolgsroman des Kaufmanns Hans Grimm, "Volk ohne Raum", welcher nach 1933 zur schulischen Pflichtlektüre erhoben wurde.

  1. Zusammenfassung und Folgerungen

    Die Agrarökonomie im Nationalsozialismus, speziell die mehrjährige "wissenschaftliche" Ostsiedlungsplanung ist ein tragisches Beispiel für ideologische Vereinnahmung und Paradigmenwechsel. Sie war besonders einflußreich im Dahlemer Planungsamt des RKF, welches mehrjährig eng mit dem Institut für Agrarwesen und Agrarpolitik zusammenarbeitete. Die Planer des Generalplan 0st sahen eine viel-millionenfache Deportation unerwünschter Menschen vor, kooperierten mit dem Sicherheitsdienst des RSHA als der zuständigen Institution für die "Entvölkerung" und übernahmen in ihre detalllierte Arbeits- und Kostenkalkulationen das Element der Zwangsarbeit mit dem Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit". Ihre Untersuchungen konzentrierten sich vor allem auf den Ausweis konkreter Siedlungsräume, der Berechnung des Arbeits- und Kostenaufwands und deren Aufbringung, auf den Entwurf eines neuen Siedlungsrechts, auf die Organisation der Verwaltung und auf die zeitliche Ablaufplanung.

    Eine ideengeschichtliche Vorbereitung der Ostsiedlungsplanung stellt die deutsche Agrarromantik zu Beginn des 19. Jahrhunderts dar. Im Verlauf der Industrialisierung mit ihren starken sozialpolitischen Spannungen kamen Elemente wie Antiurbanismus, Rassismus und völkische Ostsiedlungsideale hinzu. Sie setzten sich fort im mystisch-pantheistischen Naturverständnis der bürgerlichen Jugendbewegung, die für viele Siedlungsplaner prägend war. Die sozialimperialistische unreflektierte Kriegszielpolitik des Ersten Weltkrieges bildete zusammen mit einer verschleppten Agrarstrukturkrise und der erfolgreichen preußischen Militärtradition eine verführerische Ausgangssituation zur Ostsiedlungsplanung. Agrarökonomische Aussagen sind stark ideologisch untersetzt, was eine sachkundige Analyse sehr erschwert.



Der Generalplan Ost. Working Paper des IWISOLA der HUB Nr. 38, M. Burchard Berlin 1997

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